Ein Schelm, der Böses dabei denkt

Pflanzenschutzmittel_Feld_01Glyphosat, wer kennt dieses Wundermittel der Agrarwirtschaft, oder besser Chemiewirtschaft, mittlerweile nicht?! Ein Stoff, der Träume wahr werden lässt. Einfach auf alles drauf kippen und das Unkraut ist Vergangenheit. Nur das ordentlich genetisch angepasste Getreide steht anschließend noch in voller Kraft und wartet darauf, in unserem Brot zu landen. Traumhaft einfach und einfach lecker.
Die Bauern jubeln und die Kassen klingeln, vor allem die von Monsanto & Co. Denn so kann man nicht nur herrlich einfach zu verwendende Chemiekeulen verkaufen, nein, das genetisch perfektionierte Saatgut gleich noch obendrauf. Die Euro tanzen Ringelrei und alle sind glücklich und frohlocken. Wo liegt da jetzt das Problem?

Das Problem ist der Kunde, oder selten auch „Mensch“ genannt. Denn dieses Supermittel Glyphosat hat einen kleinen, nennen wir es mal, Schöhnheitsfleck. Es könnte beim Endverbraucher, nennen wir ihn mal lustigerweise „Menchen“, Krebs verursachen. Und das mag der Mensch so gar nicht, wenn das, was er für die Ernährung zu sich nimmt, ihn vielleicht töten könnte. Das Brot soll mein Freund sein, ich will es lieb haben und es soll mich sorglos sättigen.
Aber zum Glück gibt es da die große Tante WHO, die Weltgesundheitsorganisation. Die mag alle Menschen und die will, dass wir alle total gesund sind. Sie hat nur immer wieder ein klitzekleines Problem, die Länder dieser Welt lieben sie nicht genug.
Dafür wird sie aber von den vielen Pharma- und Chemiekonzernen (das ist oft dasselbe) sehr geliebt. Diese Liebe ist allerdings nicht ganz uneigennützig, schließlich wollen doch alle das selbe, Geld machen das Wohl der Menschheit. Und dafür muss die WHO schon mal den bemitleidenswerten, altruistischen und fürsorglichen Chemiekonzernen etwas unter die Arme greifen. Sonst haben die schließlich nicht genug Kleingeld übrig, das sie der lieben Tante WHO geben können.

Was hat das alles mit Glyphosat zu tun? Nun, die Politiker haben ein etwas anderes Problem als die WHO. Sie bekommen zwar oft genug, direkt oder indirekt, auch ein paar Euro zugesteckt von liebenswürdigen Firmchen der Chemie- und Pharmabranche, aber sie müssen gleichzeitig tierisch aufpassen, dass sie auch wiedergewählt werden. Und dafür braucht man die Stimmen der Kunden Verbraucher Bürger.
Und die, also die Bürger, wollen, wie erwähnt, halt leider nicht so gerne vom eigenen Essen umgebracht werden. Hören die also jetzt, dass Glyphosat in ihrem Körper lauter lustige kleine Tumore wachsen lassen könnte… nun, das mögen die eben nicht. Und dann wählen sie schon mal einen nicht wieder, von dem sie glauben, er hätte sie nicht vor tödlichem Zeug in der Nahrung geschützt. Und das mögen viele Politiker wieder gar nicht… also, nicht wiedergewählt zu werden.

Das Pech für die Chemieindustrie ist leider, dass in der EU die Zulassung für Glyphosat ausläuft. Und die Politiker müssen jetzt entscheiden, ob sie diese Zulassung verlängern wollen oder nicht. Das würden sie auch gerne tun, das Zeug ist ja schließlich so schön praktisch und wird gebraucht. Aber das geht natürlich nur, wenn die Menschen nicht glauben, dass es ihnen schaden könnte. Und wer weiß da besser Bescheid als Tante WHO? Also soll sie uns unmissverständlich sagen, ob dieses Zeug uns umbringen kann oder nicht.

Geld_01Und natürlich hat die WHO eine Antwort: Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend… aber wahrscheinlich nicht krebserregend.
Ja, dieser Satz macht wenig Sinn. Aber so in etwa war nun mal die Antwort der WHO. Eine Unterabteilung der WHO, die untersuchen sollte, ob Glyphosat grundsätzlich Krebs erregen kann, kam zu dem Schluss, dass es genau das tun könnte. Es wäre eine reine Spekulation, zu behaupten, hier waren Wissenschaftler am Werk, die sich nur nicht bewusst waren, von wo ihre Forschungsgelder kommen.
Aber die Tante WHO weiß dies vermutlich und kam daher nur kurze Zeit später zu dem Schluss, dass Glyphosat wahrscheinlich nicht krebserregend sei.

Jetzt kann man sich vorstellen, dass der arme Politiker, der ja nur das Beste will… für wen auch immer… total hilflos ist. Denn nach einer klaren Aussage hört sich das nun mal nicht an, und genau die hatte sich die Politik von der WHO gewünscht.
Eigentlich müsste jetzt das Prinzip greifen, auf das sich die EU bereits bei der Regulierung der E-Dampfe so vehement berufen hat, das Vorsorgeprinzip. Schließlich kann man aus dem Statement der WHO ganz eindeutig herauslesen: Glyphosat könnte krebserregend sein, Wahrscheinlichkeiten hin oder her.
Also könnte man jetzt meinen, da die EU ja nur unser Wohl im Blick hat (schließlich essen auch Kinder Brot) würde die Neuzulassung erst einmal so lange verschoben, bis Klarheit darüber herrscht, ob Glyphosat nun Krebs erzeugt oder nicht.

Und genau das plant die europäische Kommission auch… gut, nicht so ganz. Man will zwar genau prüfen lassen, was denn jetzt mit Glyphosat und Tumoren ist, aber bis man da genaueres weiß, soll es erst einmal für weitere 18 Monate zugelassen bleiben. Vorsichtshalber. Schließlich könnte ein vorübergehendes Verbot viel Schaden anrichten… bei den armen kleinen Chemieriesen.

Und hier, schlussendlich, zeigt sich die Doppelmoral unserer Politiker.
Da ist also nun die E-Dampfe, ziemlich sicher nicht krebserregend und das einzige, halbwegs plausible Risiko besteht in einer eventuellen Reizung der Atemwege. Außerdem wird die E-Dampfe nicht von Kindern benutzt und jeder erwachsene Mensch hat die freie Wahl, ob er sie benutzen will oder nicht. Die E-Dampfe wurde besonders streng reguliert, in einigen Ländern der EU so streng, dass es einem Verbot gleich kommt. Alles begründet damit, dass in der EU das Vorsorgeprinzip gilt und man erst abwarten müsse, bis klar sei, dass das E-Dampfen absolut ungefährlich ist.
Und dann ist da Glyphosat, ein Stoff, von dem man noch nicht weiß, ob es Krebs erzeugt und die Risiken nur schwer abzuschätzen sind. Außerdem werden die Nahrungsmittel, die von Glyphosat belastet sein können, auch von Kindern gegessen und niemand hat die Wahl, ob er eventuell Belastetes zu sich nimmt oder nicht. Glyphosat hingegen soll erst mal einfach weiter verwendet werden dürfen, bis klar ist, wie schädlich es ist. Mit der Begründung… das kann man nur ahnen.

Ich halte nicht viel vom Nullrisiko-Wahn und wir sollten langsam wieder lernen, dass Risiken Teil des Lebens sind. Das Ziel des Lebens ist nicht, so lange wie möglich, sondern so gut wie möglich zu leben. Wenn Glyphosat einen großen Nutzen hat, und das nicht nur für die Kassen der Chemiekonzerne, dann hat es seine Daseinsberechtigung und wir können mit einem bestimmten Grad an Ungewissheit leben.
Aber für die Politik ist es ein Armutszeugnis, wenn so offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wird. So wird das viel zitierte „Vorsorgeprinzip“ ad absurdum geführt, so verliert die Politik an Glaubwürdigkeit.
Da darf sich niemand mehr wundern, wenn die Motivationen der Politik angezweifelt werden, wenn die Menschen sich fragen, wann ihr Wohl und wann das Wohl der Geldbörsen die Entscheidungen beeinflusst.
Und dann ist derjenige ein Schelm, der böses dabei denkt.

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