Zeitenwende der Dummheit

Seit dem 20. Mai ist es nun so weit, das neue Tabakerzeugnisgesetz (TabakerzG) ist in Kraft getreten. Ein paar nützliche Dinge wurden geregelt… und viele andere total vergeigt. Ich will mich jetzt nicht auslassen über den Sinn und Unsinn von Ekelbildern mit verfaulenden Zähnen, sympathisch schwulstigen Krebsgeschwüren und angepinselten schwarzen Lungen. Oder darüber, dass sich die Politiker wieder einmal nicht dazu durchringen konnten, ein komplettes Werbeverbot für Tabakwaren in das Gesetz zu tackern. Wir könnten darüber diskutieren, ob man mit einem legalen Produkt, so schädlich es auch ist, in diesem Maße restriktiv umgehen darf und damit erwachsene Menschen wie kleine Kinder gängelt. Das will ich nicht, ist nicht meine Baustelle.
Wir leben im 21. Jahrhundert, wo es mir anachronistisch erscheint, dass Menschen sich immer noch Pflanzen anzünden müssen, um Wolken zu produzieren, die sie dann inhalieren. Doch es ist deren gutes Recht… noch.

Was mich wirklich stört, ist, dass in diesem Tabakerzeugnisgesetz ein Genussmittel mitreguliert wird, welches eindeutig kein Tabakerzeugnis ist und auch im entferntesten kein verwandtschaftliches Verhältnis zu selbigen hat.
E-Dampfen und Liquids sind noch nicht mal so etwas wie der Schwippschwager dritten Grades des Tabaks. Dennoch werden sie fast genauso reguliert. Das wäre so, als ob ich gebackene Schweineohren nur beim Metzger verkaufen dürfte. Wobei natürlich Inhaltsstoffe wie Mehl und Zucker streng verboten werden, schließlich handelt es sich ja bei ihnen um ein den Fleischwaren verwandtes Produkt… ist doch klar… bei dem Namen.

Warum der Staat der Meinung ist, Tabakwaren dermaßen rigoros regulieren zu müssen, ist für mich zumindest noch nachzuvollziehen und darüber kann man fundiert argumentieren, von beiden Seiten. Warum aber gleiches für ein harmloses Produkt wie die E-Dampfe gilt, ist mir mehr als schleierhaft. Ich will nicht wieder auf die gleiche Schiene klöppeln, wie die meisten. Mir ist es scheiß egal, dass Dampfen die „weitaus weniger schädliche“ Alternative zum Rauchen ist, oder dass Dampfen ein gutes Mittel ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Stimmt beides, ist aber beides auch irrelevant. Diese Sichtweise dient nur denen, die das Dampfen in die Ecke der Tabakprodukte drängen wollen. Dieses Schwert, so scharf es auch ist, hat zwei Schneiden.

Mit dieser Argumentation bleibt die E-Dampfe immer schön im Dunstkreis der Zigarette. Aber Dampfen ist nun mal kein Rauchentwöhnungsmittel, die gibt es in der Apotheke und sind allesamt ekelhaft oder klebrig.
Dampfen ist genauso wenig ein Rauchentwöhnungsmittel, wie grüner Tee ein Kaffeeentwöhnungsmittel ist. Dampfen hat den schönen Nebeneffekt, dass es besser als jedes Nikotinkaugummi oder Pflästerchen einem Raucher die Chance gibt, damit aufzuhören, sich den Qualm von verbrannten Pflanzenteilen in die Lunge ziehen zu müssen, keine Frage.
Es mag sogar als eine Alternative zum Rauchen erfunden worden sein, aber vielleicht wurden Schweineohren auch nur von jemandem erfunden, der einfach vom Fleisch loskommen wollte. Dennoch bleiben Schweineohren Backwaren und haben beim Metzger nichts verloren.

Die E-Dampfe ist schlichtweg ein Genussmittel, welches sowohl für den Genießer als auch das Umfeld harmlos ist. Und dieses, ich wiederhole es gerne, harmlose Genussmittel wird nun fast genau so reguliert, wie etwas nachweislich potentiell Tödliches.
Ich glaube, jeder würde sich wundern und zurecht aufregen, wenn er seine Schweineohren in einer Metzgerei kaufen müsste, besonders wenn er Vegetarier ist. Und jeder andere Kunde wäre zumindest sehr verwundert über dieses Plunderstück zwischen den Blutwürsten, Schinken und Steaks.

Nur leider leben wir in Zeiten der Dummheit. Und diese Dummheit hat am 20. Mai ein neues Denkmal bekommen, das Tabakerzeugnisgesetz.
Gäbe es in der EU nicht Großbritannien (für uns Dampfer hoffe ich, noch lange) dann hätte so schnell kaum ein „Nichtdampfer“ diese Dummheit bemerkt.
Die Briten stehen wie ein Kind beim Metzger vor der Auslage und ziehen der Mutter am Rock: „Guck mal Mammi, da ist ein Kuchen zwischen all dem Fleisch! Was macht der da?“ Und plötzlich fangen alle Kunden im Laden an, sich zu wundern. Hat der Junge etwa recht? Sieht ja schon irgendwie komisch aus. Warum liegt das denn da nur?
Noch ist es ein leises Raunen und Gemurmel, aber es tut sich was. Kaum zu glauben, aber in letzter Zeit passiert etwas in unserer Medienlandschaft, damit hätte ich frühestens in ein paar Jahren gerechnet. Die Medien riechen einen Skandal. Und wenn die Scheiße stinkt, dann kommen die Fliegen.
Es ist schwer zu sagen, wann die kritische Masse erreicht ist und genug Zeitungen und Sender sich mit der E-Dampfe vernünftig beschäftigt haben, aber es gibt einen kleinen, realistischen Hoffnungsschimmer.
Die Medien mag die E-Dampfe und ihre Harmlosigkeit rektal tangieren, aber was sie lieben, ist, wenn sie das Gefühl haben, einen Skandal aufdecken zu können. Noch viel mehr lieben sie es, Engeln die Flügel zu stutzen und sie abstürzen zu lassen. Genau das könnte Frau Dr. Pötschke-Langer, dem DKFZ und der WHO bald zum Verhängnis werden.
Dabei ist lustiger Weise das Glyphosat auf unserer Seite. Denn bei diesem Thema schafft es die WHO sehr öffentlichkeitswirksam, sich komplett zum Deppen zu machen.

Wer weiß, vielleicht ist es schon zu spät für ein Teelöffelchen Vernunft, vielleicht sind wir aber auch bereits Zeuge einer weiteren Zeitenwende.
Im Grunde ist es aber egal, das Dampfen ist nicht aufzuhalten. Und das ist keine Floskel oder zweckmäßige Übertreibung, das liegt im Wesen der Sache. Dampfen lässt sich weder regulieren, noch verbieten.
Nicht nur, weil es wahnsinnig viel Spaß macht und unglaublich lecker ist, sondern vor allem, weil es der Inbegriff der Freiheit ist. Kein Hauptbestandteil des Dampfens kann verboten oder reguliert werden, da jeder einzelne davon ein Teil des täglichen Lebens ist. Es ist schlichtweg nicht möglich Propylenglykol, Glycerin oder Aromen auf irgend eine Weise einzuschränken oder gar zu verbieten. Und wer denkt, der deutsche Zoll bildet schon eine Nikotinspürhundestaffel aus, dem sei gesagt: nöpp!

Ja, das Tabakerzeugnisgesetz ist hirnrissig und macht vielen Leuten das Leben unnötig schwer, vor allem Herstellern und Händlern. Aber weder verhindert es das Dampfen, noch kann es denen, die bereits Dampfer sind, das Dampfen bedeutend einschränken. Für diejenigen, die sich genug Nikotinbasis gebunkert haben, wird sich sogar so gut wie nichts ändern. Viele Regelungen sind sehr offensichtlicher Unsinn, wie Nachfüllfläschchen, die maximal 10ml fassen dürfen oder eine Begrenzung auf 20mg/ml Nikotin. Man kann sich bis zum Sankt Nimmerleinstag darüber aufregen, immer wieder neu… Aber was bringt’s?
Es gibt weiterhin Nikotin, es gibt weiterhin Liquid und es wird weiterhin Akkuträger und Verdampfer geben. All das regeln wir Dampfer selber. Liquids sind so unglaublich einfach zu mischen… ich glaube, das hat noch kein Politiker kapiert.
Dass der Zoll neue Hundertschaften einstellt, um jede im Ausland bestellte Dampfe zu finden und zu konfiszieren… und natürlich auch noch viel Extrapapier und Kugelschreiber bestellt, für den ganzen Papierkram… Glaub ich irgendwie nicht.
Abgesehen davon, dass noch gar nicht raus ist, wie sehr die Hartware reguliert werden wird.

Tut euch einen Gefallen, bleibt gelassen. Bunkerbasen mit genug Nikotin zu kaufen ist nicht falsch, die könnt ihr in jedem Fall gut gebrauchen, aber auch dafür ist noch Zeit bis November.
Lasst euch das Dampfen nicht von der TPD2 und dem Tabakerzeugnisgesetz vermiesen, denn dann hätte die Dummheit schlussendlich gesiegt. Dafür ist das Dampfen eine viel zu geile Sache!

Ich hole mir jetzt auf jeden Fall erst mal eine leckere Lakritzschnecke in der Zoohandlung…

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Eine Antwort zu Zeitenwende der Dummheit

  1. Kurbelursel sagt:

    Stimm. Dampfen ist Genuß und es nervt, wenn ständig Leute, die es nix angeht, versuchen, das Dampfen dort einzuräumen, wo es nicht hin gehört.
    Möge es der WHO als Hauptakteur bald so ergehen, wie dem nackigen Kaiser.
    Klasse geschrieben.