Hirn sucht Heimat – Herz bereits Obdachlos!

Was ist ein Mantra? Wikipedia sagt dazu dies. Verkürzt gesagt, würde ich es als das Wiederholen einer immer gleichen Formel zum Zwecke der eigenen Beruhigung bezeichnen. Manch einer denkt sicher auch, dass, wenn er etwas nur oft genug wiederholt, es schließlich auch wahr wird. Bei der Forderung nach einer „Obergrenze für Flüchtlinge“ hört sich das ganze doch sehr nach einem „ich muss es nur oft genug sagen, dann hört es sich irgendwann auch sinnvoll an“-Mantra an.

Von den hilflos herum torkelnden Regierungsparteien mag man schon nichts anderes mehr gewohnt sein. Auch an die Kakophonie der bajuwarischen christlich sozialen Pseudonationalisten der CSU hat man sich fast bereits gewöhnt.

Dass nun aber auch die „Mutter der Barmherzigkeit“, die katholische Kirche, sich selbiger hirnloser Polemik bedient ist mehr als nur enttäuschend.
Ich gestehe der Kirche eine gewisse Weltfremdheit zu, keine Frage, das gehört zum „Geschäft“. Aber wenn sie sich tatsächlich genötigt fühlt die reale Welt zu kommentieren, dann sollte das zumindest im Ansatz Hand und Fuß haben. Auch ein wenig Glaubwürdigkeit wäre sicher nicht schlecht.

Doch beides hält Kardinal Marx, das Oberhaupt der deutschen Katholiken, für verzichtbar, wenn er ernsthaft eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen fordert. In seinen Augen könne Deutschland „nicht alle Notleidenden der Welt aufnehmen“.
Glaube ich auch, keine Frage. Aber, und jetzt kommt die riesengroße Überraschung, das erwartet auch niemand von uns. Es geht hier um nur einen Teil der Notleidenden, vor allem aus Syrien. Das sind nicht wenige, klar, aber noch weit entfernt von „alle“.

So herzlos diese Äußerungen mir erscheinen, so hirnlos sind sie allemal. Denn wie man die Flüchtlingszahlen reduzieren könnte, davon sagt auch Kardinal Marx nichts. Er weiß wohl, dass man solch populistischen Dünnschiss heutzutage unbefangen von sich geben kann, da nach einem Sinn und dem „Wie“ schon lange keiner mehr Fragt.
Es erstaunt daher die marxsche „Erkenntnis“ kaum noch, dass es bei der Aufnahme von Flüchtlingen „nicht allein um Barmherzigkeit, sondern auch um Vernunft“ gehe.

Wenn schon die katholische Kirche nicht mehr Barmherzigkeit vor Vernunft stellt, wer sollte es denn dann tun? Sollte Barmherzigkeit nicht meist etwas zutiefst unvernünftiges sein, etwas direktes, etwas, das vor allem aus dem Herzen und nicht aus dem Verstand geboren wird? Muss Barmherzigkeit nicht unbedingt und vorbehaltlos gelten? Eine rationale, vernünftige Barmherzigkeit wird schnell selektiv, halbherzig und unmenschlich.

Deshalb ist nur logisch, dass Kardinal Marx sich genötigt fühlt, an der AfD heftigste Kritik zu äußern und seine Distanz zu dieser menschenverachtenden Ansammlung von engstirnigen Demagogen demonstrativ zur Schau zu stellen. Denn mit seinen Äußerungen ist er weitaus näher am Kern des AfD-Gedankenguts, als an dem einer barmherzigen Kirche.

Weitere Infos: http://www.tagesschau.de/inland/fluechtlinge-merkel-grenzen-101.html

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