Das kleine Wort mit „W“

Skeptisch_Kind_01Deutschland 2025, Zeiten des Terrors. Die Straßen brennen, Horden von zu Terroristen mutierten, totalvermummten, weiblichen Asylanten überrennen unser Land und sprengen sich reihenweise in Supermärkten, Bussen, Bahnen und Volkshochschulen selbst in die Luft. Das alles nur, weil die Politiker nicht rechtzeitig die Burka verboten hatten.

So, oder so ähnlich, muss das Schreckensszenario aussehen, welches Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Kollegen vor kurzem im Traum heimgesucht hat. Ein echt ernstes Problem, schließlich gibt es in Deutschland bestimmt ein paar tausend Frauen mit Burka… na gut, sagen wir ein paar hundert… so in etwa… also gut, genau genommen sind es noch nicht mal ein paar Dutzend Frauen. Im Grunde trägt außerhalb von Afghanistan so gut wie niemand eine Burka.
Aber mal ganz ehrlich, wenn es irgendwo in Deutschland nur eine einzige wäre, die womöglich mit diesem Kleidungsstück auch noch ganz böse unterdrückt wird, dann ist das allemal ein guter und triftiger Grund für ein neues Gesetz. Und Deutschland wird dadurch bestimmt auch viel, viel sicherer. Versprochen!

Das „Burkaverbot“ ist nur eine der Forderungen aus der sogenannten „Berliner Erklärung“, welche die Innenminister der Union vor kurzem Verkündete. Das Verbot der Vollverschleierung. Am liebsten hätten sie sie gleich überall verboten.
Da gibt es aber so ein blödes kleines Problem mit unserem Grundgesetz, denn dieses schützt die Religionsfreiheit und deren Ausübung. Und, ich weiß, das Schockt jetzt einige, das gilt für alle Religionen, nicht nur für die, die wir so nett und niedlich finden.
Mal abgesehen davon, dass weder die Burka, noch der Niqab in Deutschland ein echtes Problem darstellen, dafür tragen viel zu wenige Frauen eines von beidem, ist es schlichtweg unmöglich diese zu verbieten.
Zudem ist in den meisten Fällen ein Verbot ganz einfach unnötig, da Vermummungen oft von anderen Bestimmungen bereits beschränkt sind. Ich denke, jeder Polizist wird bei einer Verkehrskontrolle bereits jetzt einschreiten, wenn jemand mit derartig eingeschränktem Sichtfeld über unsere Straßen juckeln will, egal ob in einer Burka oder einem Affenkostüm.

Es geht bei der so bedeutungsvoll klingenden Erklärung auch gar nicht um das Lösen von Problemen, sondern um das Vortäuschen von Handeln. Und am besten täuscht man das mit populistischen, kernig klingenden Forderungen vor, die einen Balsam auf engstirnige und kleingeistige Gemüter legt.
Ganz bewusst wird dabei auf eine Sache verzichtet, das Fragen nach dem „Warum“!
Denn wenn man das tun würde, wäre umgehend klar, wie unsinnig, geradezu hirnrissig, die meisten Forderungen dieser „Erklärung“ sind.
Das Verbot von Vollverschleierung ist nichts anderes, als das bedienen von „christlich-abendländischen“ Ressentiments. Denn vielen Deutschen ist das Christentum nun mal viel lieber als dieser „komische“ Islam, da in deutschen Kirchen und Gemeinden die Frau viel subtiler, und damit angenehmer, diskriminiert wird.
Wer sich über das Kopftuch aufregt, der sollte erst mal dafür sorgen, dass hier bei uns, in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft, Frauen bei gleicher Arbeit auch das gleiche Gehalt wie Männer bekommen.
Nur weil ein Politiker (wie auswendig gelernt) seit einiger Zeit hinter jedes „Bürger“ noch ein „und Bürgerinnen“ hängt, heißt das nicht, dass wir in einer gleichberechtigten Welt leben.

Aber es geht ja nicht nur um die Frau, schauen wir uns doch mal einige der Forderungen an. Nehmen wir mal, zum warm werden, so einen schön kernigen Satz wie „Integrationsverweigerer sollen bestraft werden bis hin zur Ausweisung“. Aber klar, ist doch einleuchtend, wer nicht dabei sein will, der muss halt wieder raus. Irgendwie fehlt da nur eine genaue Definition, was denn „Integrationsverweigerer“ bedeutet. Will da jemand keine Lederhose anziehen oder nicht im Shanty Chor mitsingen? Wenn es um Gesetze geht, dann muss es um Fakten und genaue Definitionen gehen. Und ich bin sehr gespannt, wie man das in diesem Fall hinbekommen möchte.

Dann haben wir die alte Leier von mehr Vorratsdatenspeicherung und Videoüberwachung. Die jetzige Speicherung millionenfacher Daten hat schon nichts gebracht und wird es auch in Zukunft nicht tun. Um ein Zitat zu bemühen: Wir haben Probleme, die Nadel im Heuhaufen zu finden und uns fällt nur ein, nach noch mehr Heu zu rufen.
Dass Videokameras wiederum für jemanden, der sich öffentlichkeitswirksam in die Luft sprengen will, ein Hindernis darstellen sollen, will mir auch irgendwie nicht in den Kopf. Mit Terrorabwehr hat das alles definitiv nichts zu tun.

Noch lustiger wird es bei Fußfesseln für „Extremisten“ und „Gefährder“. Dass das voll hilft haben wir ja in Frankreich gesehen, als ein Fußfesselträger, von selbiger recht unbeeindruckt, einen Priester massakrierte.
Aber abgesehen davon, dass es für die Sicherheit der Bevölkerung total schnuppe ist, ob irgendwer eine Fußfessel oder ein goldenes Fußketchen trägt, gibt es das Problem der rechtlichen Grundlage.
Eine Fußfessel schränkt schließlich die Lebensqualität und Freiheit eines Menschen beträchtlich ein. Nun mag es Situationen und Umstände geben, in denen eine Fußfessel eine nötige und vertretbare Maßnahme ist, z.B. als Teil einer Strafe, verhängt durch ein Gericht mit einem Urteil.
Die abstrakte Vermutung, jemand könnte eine potenzielle Gefahr darstellen, wodurch er zu einem „Extremisten“ oder „Gefährder“ wird, ist mit Sicherheit keine rechtsstaatliche Grundlage. Wir müssen in einem freien Rechtsstaat damit leben, dass wir nicht jeden wegsperren oder beschränken können, nur weil wir vermuten, er könnte irgendwann mal eine Straftat begehen.

Schon weniger lustig wird es schließlich bei der Forderung nach dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Hier wäre das entscheidende Wort besonders angebracht. Warum?
Was könnte das Militär denn besser als die Polizei? Ich wüsste kein Szenario, in dem Soldaten auf den Straßen Deutschlands mir ein Gefühl von Sicherheit geben könnten, ganz im Gegenteil.
Es gibt einen sehr guten Grund, warum genau dieser Fall durch unser Grundgesetz explizit ausgeschlossen ist. Und es gibt keinen einzigen rationalen Grund, warum dies geändert werden sollte. Das Militär hat eine klar definierte Aufgabe, die Verteidigung im Kriegsfall. Alles andere schafft die Polizei bestens und ohne Probleme, wenn sie denn gut genug ausgerüstet ist.

Und da kommen wir auch schon zur einzig vernünftigen Forderung in diesem „Papier“. Mehr und besser ausgerüstete Polizisten. Nicht weil es uns vor Terroranschlägen schützt, davor gibt es schlichtweg einfach keinen Schutz, was sich nur keiner zu sagen traut. Nein, sondern weil mir dann bei der nächsten Verkehrskontrolle ein entspannter und nicht so mies gelaunter Polizist gegenüber steht, da er keine Doppelschichten auf dem Buckel hat und tausende Überstunden vor sich herschiebt.

Dieses Wort „Warum“ fehlt mir in der Politik zur Zeit sehr. Noch mehr fehlt es mir bei uns, dem Volk. Wir hinterfragen keine Behauptungen mehr und laufen dem hinterher, der die einfachsten Antworten zu haben scheint. Wir verschließen die Augen vor der Tatsache, dass es für einige Probleme keine und für die meisten Probleme nur komplizierte Lösungen gibt.
Um vorgetäuschte von echten Lösungen zu unterscheiden, hilft eben oft nur eine Sache und die sollten wir wieder häufiger tun: Nach dem „Warum“ fragen!

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Der Terror und ein Tretroller

Wo ist denn eigentlich der Verstand in diesem Land geblieben? Es braucht drei erweiterte Selbstmorde und wir werfen unseren klaren Menschenverstand weg.
Zusammen mit dem Verstand dann auch noch gleich die Mitmenschlichkeit, Verfassungsgrundsätze und das Selbstverständnis einer freien Gesellschaft. Wir müssen uns „erschütterte“ und „fassungslose“ Politiker antun, die bedeutungslose Worthülsen und populistischen Quatsch absondern. Plötzlich sind alle Flüchtlinge potenzielle Islamisten und Attentäter, die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin ein Fehler und jeder weitere Mensch, der vor Krieg und Terror flüchtet, nur noch eine Gefahr für unsere Sicherheit.
Dass der „Attentäter“ von Ansbach bereits vor zwei Jahren nach Deutschland kam, mit Granatsplittern im Körper und ohne seine Frau und sein Kind, die beide Opfer des Krieges in Syrien wurden, davon hört man nichts. Dass es sich wahrscheinlich um einen vom Krieg zerstörten Menschen handelte, der höchstwahrscheinlich nicht seiner religiösen Ausrichtung, sondern der empfundenen Sinnlosigkeit dieser Welt durch seinen Tod Ausdruck verleihen wollte und dadurch selbst etwas unfassbar grausames und schreckliches tat, davon kein einziges Wort.
Stattdessen werden krampfhaft Verbindungen zum „IS“ gesucht, wird eine „Fernsteuerung“ durch ein Terrornetzwerk herbeigeredet. Die Dinge sind leider nicht immer so einfach, wie es die Politik gerne hätte. Und gegen Menschen, die ihrem eigenen Selbstmord mit so einer Tat einen „größeren Sinn“ geben wollen, gab es, und wird es nie einen Schutz geben. Weder populistische Rhetorik, noch sinnloser Aktionismus sind da hilfreich. Und schon gar nicht das Herbeireden einer Gefahr, die es real so gar nicht gibt, Hauptsache „der islamistische Terror ist in Deutschland angekommen“.

Der islamistische Terror ist in Deutschland angekommen? Ja wie jetzt? Mit dem Tretroller?
In diesem Land sterben jährlich mehr Leute dadurch, dass sie an ihrem eigenen Essen ersticken, als durch alle Terroranschläge zusammen. Wo ist da denn der Politiker, der sich vor die Kameras stellt und dafür plädiert, es müsse eine Maximalgröße für Lebensmittel eingeführt werden? Jedes Stück Brokkoli ist für einen Deutschen gefährlicher als alle Terroristen hier zusammen. Beim Thema Terror soll die Politik uns also vor einer Gefahr schützen, die es in Deutschland für den einzelnen real gar nicht gibt.
Dafür gab es im letzten Jahr und Anfang diesen Jahres dutzende von Anschlägen auf geplante und bestehende Unterkünfte für Flüchtlinge. Das aber war kein Terror, denn da hatten wir ja keine Angst und keinen Schrecken, den mussten nur die Flüchtlinge haben. Im Gegenteil, diese sind jetzt sogar die eigentlichen Terroristen. Zwei Menschen die durchdrehen machen Millionen Menschen zu potenziellen Attentätern… Mit Verstand hat das nichts zu tun.

Aber die Politiker müssen ja irgendetwas machen, das wird von ihnen verlangt, das ist ihr Job. Anstatt jedoch aufzuzeigen, dass es keinen Grund für Panik gibt, anstatt die Menschen zu beruhigen und der Realität eine Chance zu geben, wird mit purem Aktionismus und hirnlosen Parolen reagiert.
Der Wähler will es ja so, der will seine Angst, der will seinen Terror, der will sein Feindbild, also soll er das alles auch bekommen. Eine panische Masse war schon immer besser zu regieren, als ein besonnenes und von Verstand geleitetes Volk.

Das einzig sinnvolle der Maßnahmenpakete, egal ob CDU oder CSU, ist die Forderung nach mehr und besser ausgestatteter Polizei. Das hat aber nichts mit irgendeinem Terror zu tun, sondern mit der Tatsache, dass die Polizei in vielen Bundesländern regelrecht kaputt gespart worden ist.
Wer den Dienst eines Polizisten macht, soll dafür ordentlich bezahlt werden, nicht gezwungen sein Unmengen von Überstunden aufzuhäufen und sich im Einsatz durch bestmögliche Ausrüstung bestmöglich geschützt fühlen.
Denn die Polizisten begeben sich täglich in wirkliche Gefahr. Nicht bei Antiterroreinsätzen, sondern bei Einbrüchen, Familienstreitigkeiten, gewalttätigen Demonstrationen und in Rettungseinsätzen.

Und eines ist auch klar, es gibt keine Aufgabe, die das Militär besser erledigen könnte, als eine vernünftig ausgestattete Polizei. Es hat einen guten Grund, warum das Militär bewaffnet im Inland bei uns nichts zu suchen hat, das dürfen wir niemals vergessen. Den Einsatz von Soldaten in Deutschland zu fordern ist so unsinnig wie nutzlos und gefährlich, ganz besonders wenn es um Terrorabwehr geht.

So und jetzt sollten alle mal wieder von diesem Terrortripp runter kommen und sich um die echten Probleme in ihrem Leben kümmern. Tut euch den Gefallen!

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Die Türkei, ein Land wird Reich

Nur vorweg gesagt, ich liebe gute Verschwörungstheorien. Roswell, einfach göttlich; 9/11, einfach gigantisch; Watergate… ach nee, das war ja wirklich so. Aber es muss schon eine gute Verschwörungstheorie sein, nicht so ein flacher Mist wie die Chemtrails oder der wirre Schwachsinn der „Reichsbürger„.
Eine gute Verschwörungstheorie zeichnet sich durch diesen besonderen Kitzel, dieses jucken im Nacken aus. Oder es ist einfach etwas so gigantisches und spannendes, dass man sich regelrecht wünscht, es wäre wahr. Nicht so ein Nonsens wie die „Fake-Mondlandung„, wo mir einfach wurscht ist, ob wir bereits 1969 auf der kleinen staubigen Kugel waren oder nicht.

Aber ich bin mir immer bewusst, es sind Theorien, manche wahrscheinlicher als andere, aber eben Theorien. Auch wenn es bei einigen Theorien deutlich mehr im Nacken juckt.
Manche Theorien drängen sich einfach stärker auf, die setzen sich fest, weil einem etwas in der hinteren Zwirbeldrüse sagt, dass die Theorie fast glaubhafter als die (angenommene) Realität  scheint. Und da kommen wir auch schon zur Türkei.

Da gab es nun diesen Putsch. Soweit nichts besonderes, das hat in der Türkei fast schon Tradition. Immer wenn der Staat droht, die kemalistische Linie, und damit unter anderem die Trennung von Staat und Religion, zu verlieren, dann kamen die Leute mit den Panzern und putschten alles wieder „zurecht“. Mal etwas nach Links, mal etwas nach Rechts, aber immer sich selbst als Korrektiv verstehend.
Selten war die laizistische Ausrichtung und die Rechtsstaatlichkeit der Türkei so sehr gefährdet wie derzeit. Normalerweise würde auch fast jeder damit rechnen, dass das Militär mal wieder „korrigiert“. Nur wurde das Militär mittlerweile so weit entmachtet, dass es gar nicht mehr in der Lage zu sein schien, den Staat wieder auf die, seiner Meinung nach, rechte Bahn zu putschen.
Jetzt könnte man meinen, das passt ja zum misslungenen Putschversuch, ist doch alles klar.
Aber so klar ist das nun auch wieder nicht. Denn es ist wirklich schwer zu glauben, dass jemand mit nur ein bisschen Verstand zwischen den Ohren ernsthaft glauben konnte, mit einer handvoll Panzern, ein paar Flugzeugen und Hubschraubern, sowie einem Trüppchen Soldaten könne man einen erfolgreichen Staatsstreich durchführen. Das ist mehr als ambitioniert… irgendwie extrem dämlich. Aber da ist es schon, dieses Jucken im Nacken, das einfach nicht aufhören will.

Werfen wir mal einen Blick auf die Fakten. Da ist ein selbstherrlicher, offensichtlich größenwahnsinniger Präsident, der sein Land kontinuierlich auf ein autokratisches System umbaut. Dabei hat er anscheinend einen durchaus großen Teil seiner Bevölkerung hinter sich. Aber für die wichtigsten Meilensteine, wie einer grundlegenden Verfassungsänderung, fehlt ihm die nötige Zweidrittelmehrheit im Parlament. Auch kann er das System nicht so schnell säubern und gleichschalten, wie er es offensichtlich gerne würde. Zwar ist noch kein Diktator vom Himmel gefallen, aber so unendlich viel Zeit hat er ja auch nicht mehr in seinem Alter.

Da gibt es jetzt also diesen Putschversuch, wenn wir ihn mal so nennen wollen. Das Militär versäumt es, strategisch wichtige Punkte und Einrichtungen einzunehmen, krallt sich nur den Staatssender, lässt aber alle anderen, beim Volk weitaus beliebteren Privatsender links liegen und beschränkt sich auch sonst auf eher halbherzige Aktionen. Der Taksim-Platz wird von einem lächerlichen Trüppchen aus ca. 20 Mann „eingenommen“ und die zwei Brücken über den Bosporus werden, in alter „Putschtradition“, von zwei Panzern gesperrt. Ansonsten ballern ein paar Hubschrauber unmotiviert in der Gegend rum, vereinzelt zeigen Piloten, wie toll sie im Tiefflug mit ihren Flugzeugen die Schallmauer durchbrechen können und der Flughafen von Istanbul wird eher „lustlos“ eingenommen, nur um ihn kurze Zeit später wieder kampflos zu räumen, damit Erdogan noch in der Nacht dort landen kann.
Nebenbei vergisst man sowieso, den Präsidenten als primäres Ziel zu beseitigen oder zumindest festzunehmen. Ich hab‘ da nicht viel Erfahrung, aber ein ernsthafter Putsch sieht für mich irgendwie anders aus.

Der Präsident schafft es dann, offensichtlich in Sicherheit, über sein Handy im nicht besetzten privaten Fernsehen eine Botschaft an sein Volk zu richten. Dabei ruft er es auf, sich den Putschisten entgegen zu stellen. Was dieses auch spontan zu großen Teilen macht. Lustiger Weise wurde von den Militärs zu allem Überfluss erst für sechs Uhr am nächsten Morgen eine Ausgangssperre angeordnet.
Der Ministerpräsident, den die Putschisten irgendwie auch total vergessen hatten, ist die erste Person, die über den Putschversuch die Öffentlichkeit informiert. Ein Putsch, der bereits nach wenigen Stunden niedergeschlagen ist. Bilanz sind ein paar hundert Tote, noch mehr Verletzte, ein paar Schäden an staatlicher Bausubstanz und ein überglücklicher Präsident, der den Putschversuch allen ernstes „ein Geschenk des Himmels“ nennt.

Natürlich nicht, weil er den mehr als dilettantischen Umsturzversuch selber so toll fand, sondern weil er nun ungestört die Säuberungsaktionen durchführen kann, die ohne Putsch eventuell noch Jahre gebraucht hätten. Es ist auch sofort, also wirklich direkt am nächsten Tag, der Rädelsführer des Putsches gefunden, Fethullah Gülen.
Und mit diesem Hauptverdächtigen in der Hinterhand, wer fragt schon nach Beweisen, kann Erdogan nun so richtig loslegen. Da wird nicht mehr nur das Militär „gesäubert“, sondern zigtausende Richter, Staatsanwälte, Polizisten, Lehrer, Dozenten, Gouverneure und Kommunalpolitiker werden entlassen und/oder verhaftet. Scheiß was auf Gewaltenteilung und Rechtsstaat.
Das alles beginnt bereits am Tag nach dem Putschversuch. Das mag mit diesem nicht direkt in Verbindung stehen, aber die Liste mit den zu beseitigenden Personen hatte der Präsident bereits unter dem Kopfkissen. Anders sind diese plötzlichen, schnellen und gezielten „Bereinigungsaktionen“ nicht zu erklären.

Das alles sind wahrscheinlich Zufälle und das Militär war vermutlich einfach nur zu schwach und in Panik, als es den Putsch versemmelte.
Zudem sollen die Geheimdienste frühzeitig Wind von den Plänen des Militärs bekommen haben. Das wirft zwar die Frage auf, warum sie dann nicht in der Lage waren, den Putsch noch vor Beginn zu stoppen, aber wollen wir mal nicht so kleinlich sein.
Das alles war also nur eine „glückliche Fügung“ für Präsident Erdogan und seinen Plan…

Wenn da nur nicht dieses heftige Jucken in meinem Nacken wäre. Ich weiß einfach nicht, warum ich immer wieder an die deutsche Geschichte und ein großes, brennendes Regierungsgebäude denken muss.
Warum mir so viele Dinge bekannt vorkommen, der innere Staatsfeind, welcher den Staat unterminiert haben soll, die faktische Aufhebung der Gewaltenteilung, die Gleichschaltung der Presse, willkürliche Verhaftungen unter dem Deckmantel des Terrorismusverdachts und das Aufwiegeln des eigenen Volkes gegen Minderheiten.

Naja, wie schon gesagt… Zufälle.
Die Türkei hat einen Kurs eingeschlagen, der sie weit weg von Rechtsstaatlichkeit und einer freien Gesellschaft bringt und der auf einen autokratisch regierenden und offensichtlich religiös verblendeten Präsidenten Erdogan hinausläuft. Dabei werden einige Menschenrechte auf der Strecke bleiben und viele Menschen dazu.
Wenn die Mehrheit der Türken das so will, und danach sieht es aus, dann müssen wir das so akzeptieren. Nun, und das Jucken? Das ist wohl nur ein Mückenstich, dagegen gibt es eine Salbe.

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Terror ist, was wir daraus machen

Ein psychisch labiler, offensichtlich zu Gewalt neigender, Idiot rast in eine fröhlich ausgelassene Menge und tötet dabei über 80 Menschen und alle, insbesondere die Politiker, verfallen sofort in den „Terror-Reflex“. Die Tat ist so schrecklich wie traurig, keine Frage, aber ist irgendjemandem mit der Erklärung „Terror“ geholfen? Es mutet schon fast lächerlich an, wie die Ermittler krampfhaft nach Verbindungen zum islamistischen Terrorismus suchen.
Was hätten die Ermittler denn gemacht, wenn der Fahrer nicht „Allahu akbar„, sondern „Es lebe der ADAC“ geschrien hätte?
In dem Fall wäre die mangelnde psychische Stabilität des Täters wohl so eindeutig gewesen, dass man sie kaum noch hätte leugnen können. Warum aber ist es so schwer, auch jetzt einzusehen, dass diese psychische Labilität der eigentliche Grund für jene schreckliche Tat war?
Wahrscheinlich, weil man dann niemandem mehr die Schuld geben könnte, weil man einfach seine Hilflosigkeit eingestehen müsste. Denn vor einzelnen Menschen, die einfach durchdrehen und ihrem eigenen Tod dabei einen „größeren Sinn“ geben wollen, gibt es keinen Schutz.
Die Ermittler sprechen lieber von einer Radikalisierung im Eilverfahren. Hört sich da eigentlich jemand noch selber zu? Gibt es Radikalisierung jetzt auch in der Instantvariante, „Islamisierung forte“?
Krampfhaft klammert sich die französische Politik an jeden noch so kleinen Hinweis dafür, dass der Täter sich zwei Wochen vor der Tat mal eben so radikalisiert haben soll.
Zu akzeptieren, dass hier ein Mensch seinem Selbstmord lediglich eine „größere Bedeutung“ geben wollte, scheint niemanden in den Sinn zu kommen.
Genau das hat aber dadurch nun funktioniert. Denn jetzt ist der Täter kein simpler, gestörter Amokläufer, sondern ein Märtyrer, ein Kämpfer für den großen Propheten. Egal, ob ihn dieser vor kurzem noch nicht mal rektal tangierte. Dieses Geschenk wurde vom IS umgehend dankend entgegen genommen.

Quelle: statista.com

Quelle: statista.com

Terror ist nicht einfach Terror, es ist, was wir daraus machen. Terror ist nicht die Tat, sondern der Schrecken, den diese Tat auslöst. Und wir fühlen uns bedroht, wie schon lange nicht mehr, überall sehen wir nur noch Terror.
Dabei hatten wir seit 1970 noch nie so wenige Terroranschläge in Europa wie in den letzten Jahren. In den 70ern und 80ern, ja, da war Europa ein „heißes Pflaster“. Vor allem die ETA, die IRA und die RAF hielten Westeuropa in Atem.
Heutzutage ist Europa im Vergleich dazu ein Hort der Ruhe und des Friedens. Auch im Vergleich zum Rest der Welt, denn weltweit hat der Terror in der Tat zugenommen.
Gab es 2014 global 6334 Terroranschläge, kamen auf Westeuropa gerade einmal 3 (in Worten: drei). Und von 32257 Menschen, die 2014 durch Terror ums Leben gekommen sind, waren es in Westeuropa 7 Opfer. Zwischen 2001 und 2014 starben allein im Irak 42759 Menschen infolge von Anschlägen, in der selben Zeit hatte Westeuropa „nur“ 420 Opfer zu beklagen.
Das macht die Opfer in England, Spanien, Belgien und Frankreich nicht weniger schmerzhaft, aber es könnte helfen, dem Terror das zu nehmen, was ihn überhaupt erst ausmacht, den Schrecken.

Doch so, wie wir derzeit reagieren, machen wir den Terror erst erfolgreich. Wir machen aus der Tat eines einzelnen gestörten Menschen ein Werk des internationalen Terrorismus.
Jetzt wird in Frankreich ein Ausnahmezustand verlängert, der schon die letzten Anschläge nicht verhindern konnte und auch zukünftig Anschläge nicht verhindern wird. Die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit schafft sich selber ab und verhilft dem Terror des IS damit zum Sieg.
Nun rufen französische Bürger nach Rücktritten von Politikern, die sie vor Anschlägen nicht beschützt haben, die niemand, erst recht keine Politiker, hätte verhindern können. Und die Populisten starten eine Kakophonie der Bekloppten, mit Forderungen nach Sicherheit, die es nicht gibt, die es niemals geben wird.

Vielleicht ist genau dies das Schlimmste am Terror, vielleicht ist es sogar der eigentliche Terror. Ein Ausnahmezustand, der jegliche demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätze wegfegt und ins Endlose verlängert wird, ohne auch nur die kleinste, logisch nachvollziehbare Rechtfertigung. Gesetze, die aufgrund einer, lediglich gefühlten, Terrorgefahr erlassen werden und den freiheitlich-demokratischen Staat aushöhlen.
Wäre es nicht so abgrundtief traurig, was wir mit uns machen und machen lassen, es wäre an Lächerlichkeit kaum noch zu übertreffen.

Terror ist nicht, was die Terroristen in unseren Ländern tun, Terror ist, wie wir anschließend damit umgehen. Und wir weigern uns vehement, das einzusehen.
Wir stilisieren jede einzelne Bluttat von verrückten, verblendeten oder schlichtweg dummen Menschen sofort zu schrecklichen Terrorszenarien. Wir konstruieren Verbindungen und Verflechtungen, die es gar nicht gibt.
Wenn wir den Terror besiegen wollen, müssen wir erst einmal unsere aus dem Ruder gelaufene Angst wieder in den Griff bekommen, dann müssen wir wieder zu Verstand kommen. Wir müssen uns klar werden, das wir selber es sind, die den Terror machen… in unseren Köpfen.

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Ein Schelm, der Böses dabei denkt

Pflanzenschutzmittel_Feld_01Glyphosat, wer kennt dieses Wundermittel der Agrarwirtschaft, oder besser Chemiewirtschaft, mittlerweile nicht?! Ein Stoff, der Träume wahr werden lässt. Einfach auf alles drauf kippen und das Unkraut ist Vergangenheit. Nur das ordentlich genetisch angepasste Getreide steht anschließend noch in voller Kraft und wartet darauf, in unserem Brot zu landen. Traumhaft einfach und einfach lecker.
Die Bauern jubeln und die Kassen klingeln, vor allem die von Monsanto & Co. Denn so kann man nicht nur herrlich einfach zu verwendende Chemiekeulen verkaufen, nein, das genetisch perfektionierte Saatgut gleich noch obendrauf. Die Euro tanzen Ringelrei und alle sind glücklich und frohlocken. Wo liegt da jetzt das Problem?

Das Problem ist der Kunde, oder selten auch „Mensch“ genannt. Denn dieses Supermittel Glyphosat hat einen kleinen, nennen wir es mal, Schöhnheitsfleck. Es könnte beim Endverbraucher, nennen wir ihn mal lustigerweise „Menchen“, Krebs verursachen. Und das mag der Mensch so gar nicht, wenn das, was er für die Ernährung zu sich nimmt, ihn vielleicht töten könnte. Das Brot soll mein Freund sein, ich will es lieb haben und es soll mich sorglos sättigen.
Aber zum Glück gibt es da die große Tante WHO, die Weltgesundheitsorganisation. Die mag alle Menschen und die will, dass wir alle total gesund sind. Sie hat nur immer wieder ein klitzekleines Problem, die Länder dieser Welt lieben sie nicht genug.
Dafür wird sie aber von den vielen Pharma- und Chemiekonzernen (das ist oft dasselbe) sehr geliebt. Diese Liebe ist allerdings nicht ganz uneigennützig, schließlich wollen doch alle das selbe, Geld machen das Wohl der Menschheit. Und dafür muss die WHO schon mal den bemitleidenswerten, altruistischen und fürsorglichen Chemiekonzernen etwas unter die Arme greifen. Sonst haben die schließlich nicht genug Kleingeld übrig, das sie der lieben Tante WHO geben können.

Was hat das alles mit Glyphosat zu tun? Nun, die Politiker haben ein etwas anderes Problem als die WHO. Sie bekommen zwar oft genug, direkt oder indirekt, auch ein paar Euro zugesteckt von liebenswürdigen Firmchen der Chemie- und Pharmabranche, aber sie müssen gleichzeitig tierisch aufpassen, dass sie auch wiedergewählt werden. Und dafür braucht man die Stimmen der Kunden Verbraucher Bürger.
Und die, also die Bürger, wollen, wie erwähnt, halt leider nicht so gerne vom eigenen Essen umgebracht werden. Hören die also jetzt, dass Glyphosat in ihrem Körper lauter lustige kleine Tumore wachsen lassen könnte… nun, das mögen die eben nicht. Und dann wählen sie schon mal einen nicht wieder, von dem sie glauben, er hätte sie nicht vor tödlichem Zeug in der Nahrung geschützt. Und das mögen viele Politiker wieder gar nicht… also, nicht wiedergewählt zu werden.

Das Pech für die Chemieindustrie ist leider, dass in der EU die Zulassung für Glyphosat ausläuft. Und die Politiker müssen jetzt entscheiden, ob sie diese Zulassung verlängern wollen oder nicht. Das würden sie auch gerne tun, das Zeug ist ja schließlich so schön praktisch und wird gebraucht. Aber das geht natürlich nur, wenn die Menschen nicht glauben, dass es ihnen schaden könnte. Und wer weiß da besser Bescheid als Tante WHO? Also soll sie uns unmissverständlich sagen, ob dieses Zeug uns umbringen kann oder nicht.

Geld_01Und natürlich hat die WHO eine Antwort: Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend… aber wahrscheinlich nicht krebserregend.
Ja, dieser Satz macht wenig Sinn. Aber so in etwa war nun mal die Antwort der WHO. Eine Unterabteilung der WHO, die untersuchen sollte, ob Glyphosat grundsätzlich Krebs erregen kann, kam zu dem Schluss, dass es genau das tun könnte. Es wäre eine reine Spekulation, zu behaupten, hier waren Wissenschaftler am Werk, die sich nur nicht bewusst waren, von wo ihre Forschungsgelder kommen.
Aber die Tante WHO weiß dies vermutlich und kam daher nur kurze Zeit später zu dem Schluss, dass Glyphosat wahrscheinlich nicht krebserregend sei.

Jetzt kann man sich vorstellen, dass der arme Politiker, der ja nur das Beste will… für wen auch immer… total hilflos ist. Denn nach einer klaren Aussage hört sich das nun mal nicht an, und genau die hatte sich die Politik von der WHO gewünscht.
Eigentlich müsste jetzt das Prinzip greifen, auf das sich die EU bereits bei der Regulierung der E-Dampfe so vehement berufen hat, das Vorsorgeprinzip. Schließlich kann man aus dem Statement der WHO ganz eindeutig herauslesen: Glyphosat könnte krebserregend sein, Wahrscheinlichkeiten hin oder her.
Also könnte man jetzt meinen, da die EU ja nur unser Wohl im Blick hat (schließlich essen auch Kinder Brot) würde die Neuzulassung erst einmal so lange verschoben, bis Klarheit darüber herrscht, ob Glyphosat nun Krebs erzeugt oder nicht.

Und genau das plant die europäische Kommission auch… gut, nicht so ganz. Man will zwar genau prüfen lassen, was denn jetzt mit Glyphosat und Tumoren ist, aber bis man da genaueres weiß, soll es erst einmal für weitere 18 Monate zugelassen bleiben. Vorsichtshalber. Schließlich könnte ein vorübergehendes Verbot viel Schaden anrichten… bei den armen kleinen Chemieriesen.

Und hier, schlussendlich, zeigt sich die Doppelmoral unserer Politiker.
Da ist also nun die E-Dampfe, ziemlich sicher nicht krebserregend und das einzige, halbwegs plausible Risiko besteht in einer eventuellen Reizung der Atemwege. Außerdem wird die E-Dampfe nicht von Kindern benutzt und jeder erwachsene Mensch hat die freie Wahl, ob er sie benutzen will oder nicht. Die E-Dampfe wurde besonders streng reguliert, in einigen Ländern der EU so streng, dass es einem Verbot gleich kommt. Alles begründet damit, dass in der EU das Vorsorgeprinzip gilt und man erst abwarten müsse, bis klar sei, dass das E-Dampfen absolut ungefährlich ist.
Und dann ist da Glyphosat, ein Stoff, von dem man noch nicht weiß, ob es Krebs erzeugt und die Risiken nur schwer abzuschätzen sind. Außerdem werden die Nahrungsmittel, die von Glyphosat belastet sein können, auch von Kindern gegessen und niemand hat die Wahl, ob er eventuell Belastetes zu sich nimmt oder nicht. Glyphosat hingegen soll erst mal einfach weiter verwendet werden dürfen, bis klar ist, wie schädlich es ist. Mit der Begründung… das kann man nur ahnen.

Ich halte nicht viel vom Nullrisiko-Wahn und wir sollten langsam wieder lernen, dass Risiken Teil des Lebens sind. Das Ziel des Lebens ist nicht, so lange wie möglich, sondern so gut wie möglich zu leben. Wenn Glyphosat einen großen Nutzen hat, und das nicht nur für die Kassen der Chemiekonzerne, dann hat es seine Daseinsberechtigung und wir können mit einem bestimmten Grad an Ungewissheit leben.
Aber für die Politik ist es ein Armutszeugnis, wenn so offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen wird. So wird das viel zitierte „Vorsorgeprinzip“ ad absurdum geführt, so verliert die Politik an Glaubwürdigkeit.
Da darf sich niemand mehr wundern, wenn die Motivationen der Politik angezweifelt werden, wenn die Menschen sich fragen, wann ihr Wohl und wann das Wohl der Geldbörsen die Entscheidungen beeinflusst.
Und dann ist derjenige ein Schelm, der böses dabei denkt.

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Jetzt erst recht Europa

ich_bin_europaNicht immer ist das, was manchmal wie ein Gefängnis aussieht auch eines und nicht immer ist man draußen freier als drinnen.
Das europäische Haus mag zuweilen etwas beengt wirken, aber das liegt nicht am Haus selbst, sondern an den vielen Nationen und Kulturen die hier ihr Zuhause gefunden haben. Bei der Vielfalt und so vielen Unterschieden eckt man schon mal an, da reibt man sich und es scheint auch schon mal etwas eng. Aber da kann das Haus nichts für. Denn das Haus ist das, was wir daraus machen. Es ist unser Haus.

Und genau das scheinen wir vergessen zu haben. Viele fühlen sich fremdbestimmt aus Brüssel, reden von „denen in der EU“ und schieben alles, was schief läuft, auf das europäische Parlament. Doch es gibt keine „denen“ und es gibt nicht „die da oben“.
Natürlich ist die europäische Verwaltung ein sehr aufgeblasener Apparat und natürlich ist nicht immer alles, was in Brüssel beschlossen wird, sofort für jeden verständlich und nachvollziehbar. Aber trotzdem sitzen in Brüssel unsere Vertreter, unsere Abgeordnete. Wir haben die gewählt. Nur ist es eben nicht so leicht, die Vielfalt, die Europa auszeichnet, so ohne Weiteres unter einen Hut zu bekommen.
Dass Brüssel so unübersichtlich scheint, ist nicht begründet darin, dass die Staaten zu viel Souveränität an die EU abgegeben haben, sondern im Gegenteil. Weil die Länder Europas viel zu lange schon nicht den Mut hatten, entscheidende Schritte nach vorne zu gehen und Europa konsequent und mit Bedacht zu einem vereinten Staatenverbund zu machen, ist aus der EU ein etwas klapprig wirkendes Gemäuer geworden. Und deshalb wirkt es bisweilen unübersichtlich und chaotisch.
Auf der einen Seite soll die EU die Dinge für alle regeln, aber trotzdem will jeder noch sein eigenes Süppchen im eigenen Kochtopf kochen.

Das System EU mag Fehler haben, aber das sind unsere Fehler. Die EU ist nicht vom Himmel gefallen, die hat uns keine außerirdische Macht aufgezwungen oder die USA uns diktiert. Europa hatte vor 60 Jahren gute Gründe, den Weg der Gemeinschaft einzuschlagen. Dieser Kontinent, den mehr verbindet als trennt, hatte es zuvor mehrmals hintereinander geschafft, sich mit Kriegen fast komplett zu zerstören. Europa brauchte zwei Weltkriege, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es nur als Gemeinschaft eine Zukunft hat.
Natürlich ist die EU auch ein Wirtschaftsraum, aber vor allem, und das ist keine Floskel, ist es ein Garant für Frieden. Anstatt uns gegenseitig zu schaden, anzugreifen und kaputt zu machen, haben wir den Weg der Zusammenarbeit gewählt. Und natürlich muss da der Stärkere dem Schwächeren immer wieder helfen. Aber dadurch werden alle zusammen stärker.

Wenn die Briten aus der EU austreten ist das nicht ein Zeichen der Schwäche Europas, sondern ein Zeichen der Unfähigkeit einzelner Staaten sich endlich konsequent zusammen zu raufen. Denn zusammen kann Europa alle Probleme mühelos meistern.
Wie es endet, wenn die EU nicht zusammen agiert, zeigt die Flüchtlingskrise. Würde Europa das Problem gemeinsam angehen, wäre es buchstäblich ein Klacks. Eine Gemeinschaft von 500 Millionen Europäern hätte kaum Mühe mit einigen Millionen Flüchtlingen klar zu kommen.
Aber wenn nur Angst, Nationalismus und Egoismus Triebfeder des Handelns sind, dann wird aus einem Klacks schnell ein unlösbares Problem. Nicht die Institution EU hat versagt, sondern wir, die Staaten und ihre Bürger.

Die EU ist Schuld daran, dass es uns gut geht. Zu gut. Denn wenn es dem Esel zu gut geht, begibt er sich auf’s Eis zum tanzen.
Plötzlich sieht nur noch jeder, dass er etwas zu verlieren hat und fängt wieder an, sich in Kleinstaaterei zurückzuziehen. Doch dadurch werden wir am Ende alle zusammen alles verlieren.

Unser Parlament mag in Brüssel stehen, aber Europa ist hier, Europa sind wir, jeder von uns. Und wir müssen Europa mit Leben erfüllen. Wir müssen mehr Demokratie fordern, wir müssen bereit sein, dafür auch mal zurück zu stecken, eigene Souveränität abzugeben und füreinander zu kämpfen. Was wir erhalten ist viel mehr, als alles, was wir glauben zu verlieren. Alleine über 60 Jahre Frieden war es bereits wert.
Die EU ist die großartigste Idee, die Europa jemals hatte. Wir müssen nur anfangen, uns zu Europa zu bekennen, jeder einzelne von uns. Denn bevor wir Briten, Franzosen, Polen, Griechen, Litauer oder Deutsche sind, sind wir Europäer.
Es war noch nie eine Option für die Länder Europas, alleine und getrennt voneinander Glück zu finden, das haben sie eindrucksvoll bewiesen. Wenn die Rattenfänger Europas die EU angreifen, dann greifen sie uns an. Wenn sie Stimmung gegen die Gemeinschaft machen, dann ist es unsere Gemeinschaft, die angegriffen wird. Die Rattenfänger wollen nicht unser Bestes, sie wollen Macht und Gefolgschaft. Die Antworten sind nie einfach, es gibt kein Schwarz und Weiß und das müssen wir endlich lernen.

Europa ist manchmal anstrengend, kompliziert und frustrierend, aber das ist nicht Teil des Problems, sondern ein Teil des Lebens. Wir haben es in der Hand, ein besseres Europa zu schaffen, ein Europa, das von Generation zu Generation wächst, stärker wird und besser. Ein Europa, in dem wir und unsere Kinder in Frieden und Gemeinschaft zusammen leben können. Ein Europa, in dem wir uns gegenseitig helfen, damit es allen besser geht. Denn wir sind Europa und wir sollten uns die Mühe wert sein!

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Deutschland geschockt: E-Zigarette ist harmlos!

Die Folgen des Berichtes vom britischen Royal College of Physicians (RCP) sind heute noch nicht abzusehen, mittel- und langfristig dürften sich aber die Steuereinnahmen drastisch reduzieren und die Ausgaben der Rentenkasse signifikant ansteigen.

In dem Bericht, um den es geht, weisen Fachleute des Instituts auf die revolutionäre Chance hin, welche die E-Zigarette im Kampf gegen das Rauchen bietet. Dabei stellen sie zwar fest, dass man die Langzeitrisiken des Dampfens nicht genau abschätzen kann, die zur Verfügung stehenden Daten allerdings nahe legen, dass die gesundheitlichen Risiken, im Vergleich zum Rauchen von Tabak, unter 5%, wahrscheinlich sogar noch bedeutend niedriger, liegen.

Zitat:“Although it is not possible to estimate the long-term health risks associated with e-cigarettes precisely, the available data suggest that they are unlikely to exceed 5% of those associated with smoked tobacco products, and may well be substantially lower than this figure.“

Auch den vom DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) immer wieder heraufbeschworenen „Gateway Effekt“ sieht das RCP eindeutig nicht, alle Dampfer im Vereinigten Königreich sind oder waren fast ausschließlich Raucher.

Zitat:“E-cigarettes are not a gateway to smoking – in the UK, use of e-cigarettes is limited almost entirely to those who are already using, or have used, tobacco.“

Vielmehr sieht das RCP in der E-Zigarette ein vielversprechendes und effektives „Gateway“ aus dem Rauchen. Bedingung dafür ist allerdings, dass die E-Zigarette nicht zu strengen Regularien unterworfen wird.
Gerade der unabhängige und von vielen kleinen Firmen dominierte Markt der E-Zigaretten ist ein entscheidender Vorteil. Eine zu starke Regulierung der Hersteller würde zu einer Konzentration des Marktes auf wenige große Konzerne, zumeist Tabakunternehmen, führen. Jedoch sind gerade Zigarettenhersteller an vielem interessiert, nur bestimmt nicht an Produkten, mit denen der Rauchstopp gelingen kann.
Die britischen Ärzte würden es am liebsten sehen, wenn die Regulierung nur Punkte zur Produktsicherheit vorsehen würde.
Von einer Deckelung des Nikotingehalts ist da zum Beispiel nirgends die Rede, ganz im Gegenteil. Ginge es nach dem RCP, dann müsste sichergestellt sein, dass Raucher mit der E-Zigarette auf jeden Fall eine sie befriedigende Menge bekommen, damit der Umstieg auch klappen kann. Denn eines machen die Briten sehr deutlich, Nikotin ist nicht das Problem, das ist vergleichsweise harmlos.

Den ein oder anderen mag das jetzt verwundern, schließlich soll dieser Stoff ja so unendlich giftig sein und als Rauschmittel mindestens so Sucht erregend wie Heroin. Nur ist dem halt nicht so.
Erst seit kurzem wird Nikotin überhaupt losgelöst von Tabak betrachtet und im Zuge dieser Neubetrachtung musste zum Beispiel die tödliche Dosis mal eben von 60mg auf 500mg bis 1000mg korrigiert werden.
Mit dem Liquid einer E-Zigarette wird man es niemals schaffen, eine für den Menschen gefährliche Konzentration an Nikotin im Blut zu erreichen, selbst wenn man das Zeug säuft. Kurzfristig führt Nikotin zu einer gesteigerten Konzentrationsfähigkeit und einer besseren Feinmotorik, das war es dann auch schon. Die leichte kurzzeitige Erhöhung des Blutdrucks ist klinisch zu vernachlässigen. Langzeitschädigungen konnten bis heute keine beobachtet werden und Krebserzeugend ist Nikotin auch nicht, den andauernden Unkenrufen von DKFZ &  Co. zum Trotz.
Von vielen Menschen, die es gewohnt sind Nikotin mit Zigarette gleichzusetzen, ist nur schwer zu akzeptieren, dass Nikotin in etwa so ungesund wie Koffein ist.
Und auch die Suchterzeugende Wirkung ist ohne die Stoffe des Tabaks als vergleichsweise gering einzuschätzen, es gibt schlichtweg nicht das Krankheitsbild „Nikotinabhängigkeit“. Aber warum dampfen die Leute dann Liquids mit Nikotin? Genauso könnte man fragen, warum Kaffeetrinker ihre braune Brühe nicht ohne Koffein zu sich nehmen: Mit schmeckt es einfach besser, kräftiger und macht wacher.

Die gesundheitlichen Gefahren der E-Zigarette sind aus heutiger Sicht rein konjunktivischer Natur und bewegen sich in jedem Fall auf einem lächerlich geringen Niveau. Wenn wir alles um uns herum mit gleichem Maßstab betrachten würden, müssten wir Alkohol, Innenstädte oder Bananen ähnlich streng Regulieren oder gar verbieten.
Dampfen ist Genuss. Es ist lecker, macht Spaß und schadet niemandem. Und nebenbei ist es für sehr viele Raucher endlich die Chance vom Tabak loszukommen, was den meisten von ihnen wahrscheinlich das Leben rettet oder zumindest verlängert.

Die Briten haben das kapiert und führen eine öffentliche und sachliche Diskussion. Es gibt auf der Insel einen gesellschaftlichen Diskurs, der nicht von antihedonistischen Ideologen, verblendeten Tabakgegnern und gewinnorientierten Lobbyisten vergiftet wird. In Deutschland hingegen hat die Politik die Chance bereits verpasst, ein deutliches Signal gegen den Tabak und für die Vernunft zu setzen. Überhaupt spielte Vernunft keine große Rolle bei der Verabschiedung des Tabakerzeugnisgesetzes.
Vielleicht haben die Briten uns einen unschätzbaren Dienst erwiesen und dazu beigetragen, dass auch in Deutschland bald sachlich über das E-Dampfen diskutiert wird. Das bleibt abzuwarten.
Aber jeder Tag, an dem dies nicht geschieht, ist ein verlorener Tag. Jeder Tag, an dem ein Raucher davon abgehalten wird zur Dampfe zu greifen, ist ein Tag der Schande.

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Skandal: Die Commerzbank ist kein gemeinnütziger Verein!

Jetzt ist es raus! Der Commerzbank ist es wichtiger, Gewinne zu machen, als dem deutschen Staat mit Steuern unter die Arme zu greifen. Dabei war der mal so lieb zum Geldhaus als es ihm total dreckig ging und es ums Überleben kämpfte. Da hatte unsere Regierung einfach das Herz in die Hand genommen und der Commerzbank wieder auf die Füße geholfen.
Nun ja, vielleicht nicht das Herz… eher doch ein paar Milliärdchen an Euro. So ein Staat hat schließlich gar kein Herz, er hat Kapital, und das hat er von uns, seinen Steuerzahlern. Genau genommen sind wir ja der Staat, aber so genau nimmt das schon lange keiner mehr. Also haben wir, ja, wir alle, der Commerzbank das Überleben gesichert, bis sie wieder so aufgepäppelt war, dass sie auf eigenen Beinen stehen konnte. Ach sind wir nett!
Nun, jetzt wird jeder denken, dann muss diese liebe Bank doch total dankbar sein und von Herzen gerne wieder etwas zurückgeben. Aber da ist dann auch schon der Haken an der Suppe, die Bank hat ebenso kein Herz. Die hat auch nur Kapital. Das gehört aber nicht uns… das gehört Aktionären. Und diese Aktionäre freuen sich besonders, wenn sie ganz viel von diesem Kapital behalten dürfen. Total sauer sind sie hingegen, wenn ihnen jemand etwas von diesem Geld wegnehmen will. Und dass die Aktionäre sauer werden, dass will die Bank natürlich nicht. Darum hat sie sich ganz doll den Kopf zerbrochen, wie sie möglichst viel von dem verdienten Geld behalten darf. Und da hat sie sich so lustige Tricks, mit noch lustigeren Namen ausgedacht, mit denen sie auf die Gewinne, die sie einfährt, überhaupt keine Steuern mehr bezahlen muss. Mit sogenannten Cum-Cum Geschäften.
Nein, da geht es nicht um Kaugummi, sondern um Aktiengeschäfte, bei denen eine Bank der anderen „hilft“ und dafür sich alle die tolle Steuerersparnis teilen können. Und wer kriegt dabei nix? Natürlich, der Staat… also wir.
Wie überraschend! Eine Bank, die den Kommerz schon im Namen trägt, denkt nur an den Profit und nicht an das Gemeinwohl. Und die Welt ist auch flach… wie eine Euromünze.

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Danke, Herr Böhmermann

Das Gedicht „Schmähkritik“ von Jan Böhmermann ist, und jetzt kommt der absolute Hammer, beleidigend. Es ist unterste Schublade, obszön und im höchsten Maße ehrverletzend. Nebenbei finde ich es übrigens technisch durchaus gelungen und absolut witzig. Aber, und jetzt kommt schon wieder ein mega Hammer, um das Gedicht geht es gar nicht. Das Gedicht ist nur das Werkzeug, eingebettet in die eigentliche Satire.
Es selbst ist nicht die Satire und soll es auch gar nicht sein. Es ist „bewusst verletzend“, wie es auch Frau Merkel überflüssiger Weise feststellte. Nur ist der feine Unterschied, den Frau Merkel offensichtlich nicht verstanden hat, dass dieses Gedicht nicht bewusst beleidigen soll, sondern lediglich zeigt, was eine bewusste Beleidigung, eine „Schmähung„, ist.
Herr Böhmermann zeigt die Grenzen der Satire auf, indem er sie bewusst überschreitet, exemplarisch. Dies tut er mit einer so extremen Übertreibung, dass auch dem letzten Deppen am Bosporus klar sein sollte, dass dieses Gedicht nicht ernst gemeint ist. Aber das ist ja offensichtlich noch nicht mal den Deppen hierzulande aufgefallen.
Leider auch nicht den Verantwortlichen beim ZDF, die ihr mangelndes Verständnis durch die Löschung der besagten „Neo Magazin Royale“ Folge aus der Mediathek offenbarten. Der eigentliche Skandal, von Seiten der „Anstalt“, liegt weniger in der Sendung selbst, als in ihrer Löschung unter der fadenscheinigen Begründung, sie genüge „nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt“. Solange das ZDF noch „Rosamunde Pilcher“ im Programm hat, sollte es nicht von Anspruch faseln. Aber ich will nicht unsachlich werden, Rosamunde Pilcher ist ja auch nur ein Mensch.

Wir dürfen eines bei all dem nicht vergessen, zur Staatsaffäre hat es nicht Jan Böhmermann erhoben, dazu hat es der türkische Präsident, die deutsche Bundeskanzlerin und ein anachronistischer Paragraph gemacht. Damit jedoch hat Böhmermann vielleicht das erreicht, was er sich erhofft hatte, eine rege Diskussion um Meinungsfreiheit, die Grenzen von Satire und die Abhängigkeiten der Politik. Und in diesem Gewölle hat es Angela Merkel geschafft sich selbst ins Abseits zu manövrieren.

Das hat sie getan, indem sie ohne Not den Beitrag von Jan Böhmermann dem türkischen Ministerpräsidenten Davutoğlu gegenüber als „bewusst verletzend“ einstufte. Das Ersuchen der Türkei auf Strafverfolgung nach § 103 StGB hat sie dadurch in Zugzwang gebracht. Dennoch hätte sie das Ersuchen ohne Probleme abweisen können mit dem Hinweis, dass das Gesetz selbst überholt und entbehrlich ist und dem türkischen Präsidenten zudem der ganz normale Weg der Klage in Deutschland offen steht. Dem Ersuchen statt zu geben und zugleich die Abschaffung des Gesetzes anzukündigen wirkt unglaubwürdig und widersinnig.
Natürlich ist es in einem Rechtsstaat wie unserem nicht die Aufgabe der Politik sondern der Gerichte, über die Satire um die „Schmähkritik“ zu urteilen. In dieses System des Rechtsstaates hätte man aber nicht eingegriffen, sondern den Anforderungen genüge getan, da im § 104a explizit die Ermächtigung durch die Regierung als Voraussetzung für eine Strafverfolgung genannt wird. Somit wäre es absolut „rechtens“ gewesen, dieses lächerliche Ansinnen nach Verfolgung Böhmermanns zu unterbinden.

Dass dieser Fall vor den Gerichten landet, und das wäre ja in jedem Fall passiert, hat allerdings auch sein Gutes. Es ist davon auszugehen, dass dieser Rechtsstreit bis vor das höchste, das Verfassungsgericht ausgetragen wird.
Ich hoffe dabei sehr auf unsere Justiz, und darauf, dass sie der Freiheit von Satire höchste Priorität einräumt. Ich bin voll und ganz der Meinung von Kurt Tucholsky, Satire darf alles. Denn das tut sie nicht zum Selbstzweck, das tut sie als Regulativ für unsere Gesellschaft. Und da ist es nicht nur nötig, dass Satire weh tut, wir müssen es auch ertragen, wenn sie bisweilen etwas über das Ziel hinausschießt. Das ist immer noch um Potenzen ungefährlicher, als Satire, die nur noch im gepolsterten Käfig stattfindet.
Satire darf kein Strohhalm im Fell bleiben, sondern muss ein Stachel im Fleisch sein.

Daher… Danke, Herr Böhmermann! Danke für diese Diskussion, danke für ein wenig Staub aufwirbeln und danke für die Abschaffung eines anachronistischen Paragrafen!

Mach dir selbst ein Bild: Ausschnitt der fraglichen Neo Magazin Royale Sendung auf dailymotion.com

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Der erfundene MAK-Wert

In der öffentlichen Anhörung vor dem Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft am 17.02.2016 war unter anderem Frau Dr. Martina Pötschke-Langer vom DKFZ als Einzelsachverständige geladen. Es ging um die Stellungnahmen von Fachleuten zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Umsetzung der europäischen Tabakprodukt-Richtlinie 2014/40/EU.
Es wurde von Frau Dr. Pötschke-Langer immer wieder die Gefahr des ominösen „Gateway-Effekts“ beschworen, welcher bedeutet, dass Nichtraucher durch die E-Dampfe zu Rauchern werden. Obwohl Frau Dr. Pötschke-Langer zugestehen musste, dass noch keine zuverlässigen Daten zum Gateway-Effekt vorliegen, schlussfolgerte sie jedoch aus einer nur ihr erschließbaren Logik, dass es diesen Effekt trotzdem gäbe. Auch stellte sie die E-Dampfe als ein auf den Kinder- und Jugendmarkt ausgerichtetes Produkt dar, Stichwort Glitzersteinchen… die mir allerdings bis jetzt an noch keinem Verdampfer oder Akkuträger je aufgefallen wären… müssen sehr kleine Glitzersteine sein… naja, ist ja auch für ganz kleine Kinder.
Soweit, so gut… nichts anderes war von Frau Dr. Pötschke-Langer zu erwarten.
Aber obwohl mir schon bekannt war, dass die Dame vom DKFZ es mit der Wahrheit nicht immer so hat, war ich dennoch zutiefst überrascht, als ich die Auslassung von ihr zum ach so gefährlichen Propylenglycol hörte. Zu dem „Chemiecocktail“ und darin vor allen Dingen dem bereits erwähnten Propylenglycol äußerte sie folgendes:

„Tatsächlich ist das Chemikaliengemisch der E-Zigarette hier gesundheitsgefährdend. Es ist ein Chemikaliengemisch, was hier eingebracht wird in Atemwege und in die Lunge und vom Körper aufgenommen wird. Hier steht vor allen Dingen Propylenglycol an erster Stelle zu nennen. Das in hohem Maße inhaliert wird. Unsere MAK-Kommission der deutschen Forschungsgemeinschaft, die die maximale Arbeitsplatzkonzentration festlegt, hat einen Grenzwert von Propylenglycol am Arbeitsplatz mit 6 bis 12 Mikrogramm pro Kubikmeter angegeben. Ein Konsument einer E-Zigarette inhaliert mit jedem Zug 160 Milligramm. Und sie müssen sich vorstellen, es sind dann bei 10 Zügen sind es 1600 und bei 100 Zügen, und das ist Normalkonsum über den Tag, sind es 16000 Züge (sic!). Das heißt, hier kommt eine enorme Last einer Chemikalie in die Atemwege.“

Hier behauptet Frau Dr. Pötschke-Langer also tatsächlich, die MAK-Kommission der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) hätte für Propylenglycol einen MAK-Wert von 6 bis 12 µg/m³ festgelegt.
Tatsache ist jedoch, dass es für Propylenglycol überhaupt keinen MAK-Wert gibt. Schaut man in die von ihr zitierte „The MAK Collection for Occupational Health and Safety“, dann muss man überraschend feststellen, das gar kein MAK-Wert festgelegt ist. Dies mag bei einer offensichtlich ungiftigen Substanz wie Propylenglycol nicht weiter verwundern, es gibt ja auch keinen Grund, so einen Wert festzulegen. Mich verwundert jedoch, warum Frau Dr. Pötschke-Langer behauptet, es gäbe ihn.
Hinzu kommt, dass sie sich mit einem MAK-Wert von 6 bis 12 µg/m³ auch noch einen utopisch niedrigen Wert ausgedacht hat.
Richtig deutlich wird dies, wenn man sich echte MAK-Werte von echt gefährlichen Substanzen anschaut:

Cyanwasserstoff (Blausäure, auch bekannt als Wirkstoff von Zyklon B): 11mg/m³ (umgerechnet also 11000µg/m³ ! )
Chlor (Chlorgas war im ersten Weltkrieg ein „beliebtes“ Giftgas): 1,5mg/m³ (umgerechnet also 1500µg/m³ ! )
Kohlenmonoxid: 35mg/m³ (umgerechnet also 35000µg/m³ ! )
(Quellen: http://onlinelibrary.wiley.com/book/10.1002/3527600418/topics)

Nun wird niemand ehrlich behaupten, Propylenglycol sei giftiger als Blausäure, Chlorgas oder Kohlenmonoxid, dann hätten wir in Deutschland nämlich nicht ca. 2 Millionen dampfende Exraucher, sondern 2 Millionen tote Exdampfer.
Woher nimmt Frau Dr. Pötschke-Langer also diese Behauptungen und Zahlen? Hat sie in einer öffentlichen Anhörung des deutschen Bundestages gelogen? Oder war dieser „Lapsus“ nur ein Zeichen fachlicher Inkompetenz? Das werden wir wohl nie erfahren.

Sehr besorgniserregend ist aber, dass auf Grundlage solcher falschen Behauptungen im Bundestag ein Gesetz zur Regulierung der „E-Zigaretten“ verabschiedet wurde. Ein Gesetz, welches weit über eine sinnvolle Regulierung hinaus geht, ein Gesetz, welches in weiten Teilen die Handschrift einer Frau trägt, welche nicht nach bestem Wissen, sondern nach einer, nur ihr verständlichen, Ideologie zu handeln scheint.

Tatsache bleibt: Propylenglycol ist gesundheitlich unbedenklich. Es ist als Lebenmittelzusatzstoff E 1520 zugelassen und wird unter anderem in Kosmetika, Nebelmaschinen (z.B. für Diskonebel) und Inhalationsmedikamenten verwendet.

Hier der Ausschnitt aus der Anhörung mit der Äußerung von Frau Dr. Pötschke-Langer zum MAK-Wert von PG:

Komplettes Video auf der Seite des Deutschen Bundestages: http://dbtg.tv/cvid/6524767

PS: Eine kleine Rechnung zum Thema „Normalkonsum“!
Wenn man von den Angaben zur Aufnahme des Propylenglycols der Frau Dr. Pötschke-Langer ausgeht, nimmt der durchschnittliche E-Dampfer pro Tag etwa 16g Propylenglycol auf (100 Züge mal 160mg). Das entspräche in etwa 16ml PG.
Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass die meisten marktüblichen Liquids ein Mischungsverhältnis von 50/50 (PG/VG) haben und wir eine (eher unwahrscheinliche) Resorption des PG von 100% in der Lunge annehmen, dann müsste der „Normalkonsument“ pro Tag etwa 32ml Liquid wegdampfen.
Jetzt mal Hand aufs Herz und Hosen runter… wer schafft das? Selbst Extremdampfer dürften kaum über 20ml am Tag kommen.
Der tatsächliche „Normalkonsum“ liegt etwa bei 5ml am Tag.
Das heißt, selbst beim durchschnittlichen Liquidverbrauch hat Frau Dr. Pötschke-Langer um das 6fache übertrieben. Aber das ist nur eine Randnotiz, da selbst der von ihr übertriebene Verbrauch von 16ml am Tag in meinen Augen als unbedenklich anzusehen wäre. Dennoch zeigt es das „Argumentationsmuster“, welches von den E-Dampfgegnern immer wieder ins Feld geführt wird.

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Danke Peter

Quelle Original: Jano Rohleder

Peter Lustig (27. 10. 1937 – 23. 02. 2016)
Quelle Bild: Jano Rohleder

Ich wuchs mit Dir auf und Du hast mir sehr viel beigebracht (oft mehr als so mancher Lehrer) und mich immer gut unterhalten. Ich sah Dich auch noch gerne, als ich Deiner eigentlichen „Zielgruppe“ schon längst entwachsen war.
Du hattest die naive und offene Art eines Kindes, die in der heutigen Welt kaum noch einen Platz hat. Du hast uns gezeigt, dass eine Frage tausendmal spannender sein kann als jede Antwort.
Ich danke Dir, dass ich zu Gast in Deinem Wohnwagen sein durfte und Du mir spannende, witzige und verrückte Welten gezeigt hast.

In einer Zeit des „immer online“, des „always on demand“ klingt es merkwürdig antiquiert, aber vielleicht sollten wir wieder lernen, öfter zu beherzigen, was Du uns immer zu guter Letzt sagtest: Wir sollten öfter mal … genau … abschalten.

Danke Peter

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Hirn sucht Heimat – Herz bereits Obdachlos!

Was ist ein Mantra? Wikipedia sagt dazu dies. Verkürzt gesagt, würde ich es als das Wiederholen einer immer gleichen Formel zum Zwecke der eigenen Beruhigung bezeichnen. Manch einer denkt sicher auch, dass, wenn er etwas nur oft genug wiederholt, es schließlich auch wahr wird. Bei der Forderung nach einer „Obergrenze für Flüchtlinge“ hört sich das ganze doch sehr nach einem „ich muss es nur oft genug sagen, dann hört es sich irgendwann auch sinnvoll an“-Mantra an.

Von den hilflos herum torkelnden Regierungsparteien mag man schon nichts anderes mehr gewohnt sein. Auch an die Kakophonie der bajuwarischen christlich sozialen Pseudonationalisten der CSU hat man sich fast bereits gewöhnt.

Dass nun aber auch die „Mutter der Barmherzigkeit“, die katholische Kirche, sich selbiger hirnloser Polemik bedient ist mehr als nur enttäuschend.
Ich gestehe der Kirche eine gewisse Weltfremdheit zu, keine Frage, das gehört zum „Geschäft“. Aber wenn sie sich tatsächlich genötigt fühlt die reale Welt zu kommentieren, dann sollte das zumindest im Ansatz Hand und Fuß haben. Auch ein wenig Glaubwürdigkeit wäre sicher nicht schlecht.

Doch beides hält Kardinal Marx, das Oberhaupt der deutschen Katholiken, für verzichtbar, wenn er ernsthaft eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen fordert. In seinen Augen könne Deutschland „nicht alle Notleidenden der Welt aufnehmen“.
Glaube ich auch, keine Frage. Aber, und jetzt kommt die riesengroße Überraschung, das erwartet auch niemand von uns. Es geht hier um nur einen Teil der Notleidenden, vor allem aus Syrien. Das sind nicht wenige, klar, aber noch weit entfernt von „alle“.

So herzlos diese Äußerungen mir erscheinen, so hirnlos sind sie allemal. Denn wie man die Flüchtlingszahlen reduzieren könnte, davon sagt auch Kardinal Marx nichts. Er weiß wohl, dass man solch populistischen Dünnschiss heutzutage unbefangen von sich geben kann, da nach einem Sinn und dem „Wie“ schon lange keiner mehr Fragt.
Es erstaunt daher die marxsche „Erkenntnis“ kaum noch, dass es bei der Aufnahme von Flüchtlingen „nicht allein um Barmherzigkeit, sondern auch um Vernunft“ gehe.

Wenn schon die katholische Kirche nicht mehr Barmherzigkeit vor Vernunft stellt, wer sollte es denn dann tun? Sollte Barmherzigkeit nicht meist etwas zutiefst unvernünftiges sein, etwas direktes, etwas, das vor allem aus dem Herzen und nicht aus dem Verstand geboren wird? Muss Barmherzigkeit nicht unbedingt und vorbehaltlos gelten? Eine rationale, vernünftige Barmherzigkeit wird schnell selektiv, halbherzig und unmenschlich.

Deshalb ist nur logisch, dass Kardinal Marx sich genötigt fühlt, an der AfD heftigste Kritik zu äußern und seine Distanz zu dieser menschenverachtenden Ansammlung von engstirnigen Demagogen demonstrativ zur Schau zu stellen. Denn mit seinen Äußerungen ist er weitaus näher am Kern des AfD-Gedankenguts, als an dem einer barmherzigen Kirche.

Weitere Infos: http://www.tagesschau.de/inland/fluechtlinge-merkel-grenzen-101.html

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Mehr Gewalt durch Flüchtlinge

Naja, nicht direkt durch die Flüchtlinge selber. Aber ohne Flüchtlingsheime könnte man schließlich keine selbigen beschmieren, beschädigen und anzünden. Verübt wurden diese Verbrechen nicht von einem radikalen, gewaltbereiten Mob, sondern von „braven Bürgern aus der Mitte der Gesellschaft“.
Als Rechtfertigung reicht da in den meisten Fällen Angst. Die Angst vor den Flüchtlingen, vor dem Anderen, dem bösen „schwarzen Mann“. Und wenn man vor etwas Angst hat, dann darf, ja muss man geradezu etwas unternehmen. Schließlich wollen diese dreckigen, unterentwickelten, fanatisch muslimischen Scheinflüchtlinge, denn das sind sie im Grunde doch alle, nur eins: Unsere Kinder häuten und essen, sowie all unsere blonden Frauen vergewaltigen.
Wer das nicht versteht, der versteht einfach nicht die „berechtigten“ Sorgen des einfachen Bürgers. Besorgte Bürger dürfen schon mal ein kleines Feuerchen machen, damit es etwas heller und wärmer in Deutschland wird. Und wenn dabei Menschen verbrennen, ach, wen kümmert das schon. Die haben wir früher ja zu Millionen verbrannt, da hat das auch kaum einen in Deutschland gestört.
Das ist deutsche Leitkultur! Ist es nicht? Doch!
Die Schweden haben pro Kopf weit mehr Flüchtlinge als wir aufgenommen. Und obwohl auch dort Unmut herrscht, flackern am Himmel nur die Nordlichter und nicht die Flammen von Flüchtlingsheimen. Selbst in Österreich, das sonst immer jeden Scheiß von uns mitgemacht hat, sehe ich kaum brennende Flüchtlingsunterkünfte.
Was ist mit uns los? Was macht uns so menschenverachtend und mörderisch? Und wovor genau haben wir eigentlich Angst?
Die Flüchtlinge hätten alles Recht der Welt, in Angst zu erstarren. Sie fliehen zu uns vor Tod und Gewalt, nur um sich hier vor Tod und Gewalt zu fürchten.
Wir handeln seit dem Beginn der „Flüchtlingskrise“ nicht mehr mit Verstand, sondern von Angst und Unsicherheit getrieben. Jedoch entstehen aus Angst und Unsicherheit nur Dummheit. Und Dumme Menschen sind nicht besser als eine Herde blökender Schafe, dessen Welt zu einer kleinen, eingezäunten Wiese zusammenschrumpft.
Dumme Menschen wollen nur noch hören, sehen und glauben, was in ihre kleine, beschränkte Welt passt, was ihre Angst bestätigt und die Unsicherheit schürt.
Die Antworten werden einfach, die Lösungen noch simpler.
Und niemand gebietet ihnen Einhalt. Die Politik steht dieser Dummheit hilflos gegenüber, da die Politiker nur besorgt sind, von dieser blökenden Herde nicht wiedergewählt zu werden. Also müssen Politiker die „Sorgen“ der Bürger ernst nehmen, egal ob diese nur im Ansatz nachvollziehbar sind.

Aber halt, man ist doch nicht gleich ein Nazi, wenn man wegen der Flüchtlinge „besorgt“ ist, wenn man „einfach mal die Dinge beim Namen nennt“.
Stimmt, man ist nicht unbedingt ein Nazi, aber auf jeden Fall ein Idiot.
Und wer wert darauf legt, von Idioten wiedergewählt zu werden, der fordert zum Beispiel Flüchtlingsobergrenzen, oder schärfere Gesetze gegen Asylanten, der blökt halt mit im Chor der Schafe.
Aber auf jeden Fall wird so ein Politiker nie den Mut besitzen klar zu sagen, wie peinlich und beschämend sich dieses Land gerade benimmt. Er wird nie darauf hinweisen, dass man Ängste und Sorgen nur dann ernst nehmen kann, wenn diese auch berechtigt sind. Und er wird nie darauf hinweisen, dass es für uns als wohlhabender Staat und für jeden von uns als Menschen die verdammte Pflicht ist, anderen Menschen in Not bedingungslos zu helfen. Dabei ist egal, wer sie sind, woher sie kommen und woran sie glauben.

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Der Terror ist in München…

…und das schon seit fast 60 Jahren. Schon immer auf der Grenze zwischen Rechtspopulismus und erzkonservativem „Rumgebayere“ tanzend, regiert die CSU in ihrer freistaatlichen Hauptstadt schon nunmehr seit 1957. Und hatte man gedacht, es hätte nicht schlimmer kommen können als unter ihrem hypoeloquenten Exministerpräsidenten Stoiber, dann sind wir seit der „Machtübernahme“ Seehofers schlauer… schlimmer geht immer.
Erst recht schlimm ist es geworden, seit die „Christlich Soziale Union“ die Bedrohung erkannt hat, von der AfD rechts überholt zu werden. Für die „Einbundeslandpartei“ geht es schließlich um jede Stimme, damit sie auch weiterhin das ganze Land nerven kann. Ihre Basis im eigenen Freistatt mag breit sein, im gesamten Bundesgebiet ist sie logischer Weise denkbar dünn. Und wenn es jetzt eine Partei gibt, die nicht nur lauter Schreien kann, sondern auch noch die ureigenen Parolen dazu benutzt, gewürzt durch etwas extrabraunen Pfeffer, dann kann es eng werden für die CSU auf der politischen Tanzfläche.
Bedrohte Hunde bellen bekanntlich besonders laut und beißen nach allem, was sie vor ihr Gebiss kriegen. Gedacht wird da oft nicht mehr, die Panik regiert.
Nur so ist zum Beispiel die Forderung zu erklären, dass Flüchtlinge ohne Ausweispapiere künftig an der Einreise nach Deutschland gehindert werden sollen. Das Argument, man wolle nur geltendes Recht umsetzen ist im günstigsten Fall Blendung, ansonsten zeugt es nur von purer Inkompetenz. Denn selbst wenn es in Deutschland eine Ausweispflicht gibt und das Einreisen ohne Ausweispapiere eine Straftat darstellt (auch wenn es nicht ohne Grund Ausnahmeregelungen gibt), dann spielt das schlichtweg keine Rolle, da wir nun mal zu den Unterzeichnern der Genfer Flüchtlingskonvention zählen, die uns verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen, auch und gerade solche, die keine Ausweispapiere mit sich führen. Denn gerade politisch und vom Krieg verfolgte Menschen haben oft keine Möglichkeit an gültige Papiere zu kommen oder haben diese in den Wirren des Krieges verloren. Zu suggerieren, ein Großteil der Flüchtlinge würde ihre Unterlagen mutwillig vernichten, um ihre Herrkunft zu verschleiern, ist im besten Fall gesellschaftliche Brandstiftung.
Ob nun die Länder, durch welche die Menschen flüchten, nach der Genfer Flüchtlingskonvention oder der Dublin Übereinkunft als sichere Drittstaaten oder nur als Durchreisestaaten zu werten sind, mag eine strittige Frage sein, aber dass wir ernsthaft die Grenzen zumachen und das Problem auf die Länder an der Peripherie der Europäischen Union abwälzen könnten ist eine Naivität ohne Gleichen.
Die Politik, und vor allem die Menschen in diesem Land, sollten endlich aufhören Nebelkerzen zu zünden, sondern sich mit der Bewältigung der vor uns stehenden Aufgaben zu befassen.

Es ist ja schon mehr als peinlich, dass ein so wohlhabendes und großes Land wie unseres mit dieser vergleichsweise immer noch geringen Menge an Flüchtlingen bereits überfordert sein soll. Dass wir das schaffen, sollte nicht zu einer „Parole“ unserer Bundeskanzlerin degradiert werden, sondern zur Maxime unseres Handelns erhoben werden. Denn ob wir es tatsächlich schaffen, hängt zum größten Teil davon ab, ob wir es überhaupt schaffen wollen!

– – – •
Vorrauseilender Disclaimer: Es würde mir niemals in den Sinn kommen, den „politischen Terrorismus“ der CSU mit dem tödlichen Terrorismus religiöser oder „völkischer“ Idioten nur ansatzweise zu vergleichen oder gar gleichzusetzen.
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EXTERNE Links für den eigenen Wissensgewinn:
Wikipediaartikel über Asylbewerber
http://www.tagesschau.de/inland/fluechtlingspolitik-163.html
https://www.tagesschau.de/inland/rechtslage-pass-fluchtlinge-101.html

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